Duktus-Analyse Alexander Kühr

Beobachtungen aus projektarbeit-2021.pdf (83 Seiten). Dient als Referenz für Formulierungsvorschläge bei der Zulassungsarbeit — nicht zur wörtlichen Übernahme, sondern damit Vorschläge nach dir klingen.

Kontext-Unterschied: Die Techniker-Projektarbeit hat einen etwas freieren Formalitätsgrad als eine wissenschaftliche Zulassungsarbeit. Persönliche Perspektive („Ich bin für SANCONA GmbH tätig”) ist dort zulässig, in der Zulassungsarbeit nicht. Alles Übrige übertragbar.

Satzbau

  • Mittlere Länge, meist hypotaktisch (Hauptsatz plus 1–2 Nebensätze). Kein Stakkato, keine Bandwurmsätze.
  • Gemischt kurz/lang, häufig ein knapper Satz zwischen längeren.
  • Häufige Nebensatz-Einleitungen: „da”, „um … zu”, „während”, „wenn”.

Beleg: „Immer wieder ergaben sich bei den Kundenunternehmen auch Herausforderungen bei der Aufarbeitung gesamter Leistungsstromrichter, da zum Beispiel Werkstattkapazitäten oder Prüfmöglichkeiten fehlen.”

Perspektive und Personalpronomen

  • Handelndes Subjekt ist die Institution oder das Objekt, nicht „ich” oder „man” (auch schon in der Projektarbeit selten).
  • Für die Zulassungsarbeit heißt das: „Die vorliegende Arbeit …”, „Der Algorithmus …”, „Entscheidungsbäume …” statt „ich” oder „wir”.

Aktiv/Passiv-Verhältnis

  • Passiv bei Beschreibungen von Vorgängen ist Alex’ Standardmuster: „wurde ein Verfahren entwickelt”, „wurden vektorisiert”, „Zu diesem Zweck wurde eine Datenbank erstellt”.
  • Aktiv bei Beschreibungen von Zuständen und Rollen: „Die SANCONA GmbH beliefert Kunden im Bahnbereich”, „Immer wieder spielt Obsoleszenz eine Rolle”.

Definitionsstil

Narrativ, deskriptiv — nicht formell-mathematisch. Beispiel:

„Die SANCONA GmbH ist ein 2016 gegründeter Dienstleister für Projekte im Bereich Maschinenbau- und Elektrotechnik.”

Für die Zulassungsarbeit passt das gut bei Konzeptdefinitionen: „Ein Entscheidungsbaum ist eine …” statt „Sei ein Baum, für den gilt …“.

Absatz-Rhythmus

  • Absätze 4–7 Sätze, klar thematisch abgegrenzt.
  • Übergänge häufig mit sequentiellen oder ergänzenden Signalwörtern:
    • „Im ersten Schritt …”
    • „Im Folgenden …”
    • „Neben …”
    • „Darüber hinaus …”
    • „Nicht zuletzt …”
    • „Immer wieder …”
    • „Zu diesem Zweck …”
  • Neue Absätze beginnen selten mit „Der”, „Die”, „Das” allein — meist mit einem Übergangswort, das den Bezug zum Vorabsatz herstellt.

Fachbegriff-Umgang

  • Fachbegriffe werden eingeführt und dann konsistent verwendet, ohne wiederholte Definition.
  • Englische Fachbegriffe werden übernommen, wenn keine gängige deutsche Entsprechung existiert (Life Cycle, Reverse Engineering, Corporate Identity/CI, Toolchain).
  • Wo möglich, wird der deutsche Begriff bevorzugt.

Wortwahl

  • Sachlich und präzise, keine bildhaften Metaphern oder essayistischen Ausschmückungen.
  • Keine Adjektiv-Häufungen zur Aufwertung („glänzend”, „eindrucksvoll”, „bemerkenswert” fehlen).
  • Vereinzelt leicht essayistische Wendungen: „die relativ kurzlebige Welt der Halbleitertechnologien” — sparsam und unaufdringlich.

Was Alex NICHT verwendet

  • Wertende Ich-Positionen („ich denke”, „ich meine”)
  • Rhetorische Fragen im Fließtext
  • Übermäßige Aufzählungen im Fließtext (dafür strukturierte Listen)
  • Bombastische Formulierungen oder Superlative
  • Gedankenstriche (--- / em dash) im Fließtext — bevorzugt Punkt, Semikolon oder Komma+Konjunktion (stilistische Präferenz, 2026-07-12 bestätigt)

Anwendung für die Zulassungsarbeit

Formulierungsvorschläge werden näher an Alex’ Duktus, wenn sie:

  1. mittlere Satzlänge haben, mit 1–2 Nebensätzen
  2. Passiv verwenden, wenn ein Vorgang beschrieben wird
  3. Aktiv verwenden, wenn Zustand/Rolle beschrieben wird
  4. Übergangswörter am Absatz-Anfang setzen (im Folgenden, darüber hinaus, nicht zuletzt)
  5. Fachbegriffe klar einführen und dann konsistent nutzen
  6. auf bildhafte/essayistische Sprache verzichten
  7. das Subjekt ins Objekt bzw. die Institution verlagern (nicht „ich zeige”)

Beispiel-Formulierung im Alex-Duktus (Grundlagen-Kapitel):

Ein Entscheidungsbaum ist eine hierarchische Datenstruktur, die aus einer Wurzel, inneren Knoten und Blättern besteht. Jeder innere Knoten stellt eine Frage an ein Merkmal, jedes Blatt liefert die Vorhersage. Für einen neuen Datenpunkt wird der Baum von der Wurzel bis zu einem Blatt durchlaufen, indem an jedem inneren Knoten das entsprechende Merkmal des Punktes geprüft und der zugehörige Ast weiterverfolgt wird. Im Blatt wird schließlich die dort abgelegte Klasse ausgegeben.

Zusammenhänge