Chawla, Bowyer, Hall & Kegelmeyer 2002 — SMOTE: Synthetic Minority Over-sampling Technique

Vollstaendige Referenz: Nitesh V. Chawla, Kevin W. Bowyer, Lawrence O. Hall, W. Philip Kegelmeyer, „SMOTE: Synthetic Minority Over-sampling Technique”, Journal of Artificial Intelligence Research 16, S. 321–357, 2002. DOI: 10.1613/jair.953.

Fuer die Zulassungsarbeit

Kernbotschaft: SMOTE loest das Problem stark unbalancierter Klassifikationsdaten, indem es synthetische Minderheitsbeispiele durch lineare Interpolation im Merkmalsraum zwischen einem Minderheitspunkt und einem seiner k naechsten Klassenkameraden (Standard k = 5) erzeugt. Kombiniert mit Random-Undersampling der Mehrheitsklasse verschiebt SMOTE den Bias des Lerners zugunsten der Minderheit und liefert in 44 von 48 Experimenten (C4.5, Ripper, Naive Bayes; 9 Datensaetze) bessere ROC-Konvex-Huellen als reines Undersampling oder Kostenanpassung. Fuer die Zulassungsarbeit relevant als methodische Sach-Quelle in Kap. 4.4 (SMOTE-Grundprinzip + Kombination mit Undersampling) und als Bruecke zur PNRB15-Fallstudie in Kap. 5.

Zitat-Landkarte (Stand 2026-08-11)

Chronologische Gesamt-Uebersicht aller Zitate der Arbeit: zitat-index.

\cite-Stellen (verifiziert)

Manuskript-Kap. / ZeileAussageZitatmarker
Kap. 2.4 Z. 330Bibliografische Nennung Chawla et al. 2002 (SMOTE) im Zeitstrahl\cite{CBHK02}
Kap. 4.4 Z. 191SMOTE-Grundidee: Over-Sampling durch synthetische Beispiele\cite[S.~328, M1]{CBHK02}
Kap. 4.4 Z. 196Algorithmus: naechste Nachbarn (), lineare Interpolation mit Zufallsparameter \cite[S.~328, M2]{CBHK02}
Kap. 4.4 Z. 199Kombination mit Undersampling der Mehrheitsklasse (Section 4.3 „Under-sampling and SMOTE Combination”)\cite[S.~331]{CBHK02}
Kap. 4.4 Z. 201Empirie: Kombination SMOTE + Undersampling uebertrifft reines Undersampling\cite[S.~352]{CBHK02}

\cite[S.~328, M1]{CBHK02} — SMOTE-Grundidee (Kap. 4.4 Z. 191)

Manuskript-Aussage: Chawla et al. schlagen mit SMOTE ein Verfahren vor, das synthetische Minderheitsklassen-Datenpunkte erzeugt.

Originalwortlaut (S. 328, Anfang Section 4.2 „SMOTE”):

„We propose an over-sampling approach in which the minority class is over-sampled by creating ‚synthetic’ examples rather than by over-sampling with replacement.”

Deutsche Uebersetzung: „Wir schlagen einen Oversampling-Ansatz vor, bei dem die Minderheitsklasse durch die Erzeugung ‚synthetischer’ Beispiele oversampled wird — statt durch Oversampling mit Zuruecklegen.”

Begruendung Passung: Zentrale Grundidee — synthetische Beispiele statt Duplikate — steht wortgetreu in Chawlas Introduction des Verfahrens.

\cite[S.~328, M2]{CBHK02} — SMOTE-Algorithmus mit -Nachbarn und Interpolation (Kap. 4.4 Z. 196)

Manuskript-Aussage: Fuer jeden Datenpunkt der Minderheitsklasse werden seine naechsten Klassenkameraden im Merkmalsraum bestimmt (typischerweise ); zwischen dem Datenpunkt und einem zufaellig gewaehlten Nachbarn wird durch lineare Interpolation ein synthetischer Datenpunkt eingefuegt.

Originalwortlaut (S. 328, unmittelbar nach M1):

„The minority class is over-sampled by taking each minority class sample and introducing synthetic examples along the line segments joining any/all of the minority class nearest neighbors. Depending upon the amount of over-sampling required, neighbors from the nearest neighbors are randomly chosen. Our implementation currently uses five nearest neighbors. […] Take the difference between the feature vector (sample) under consideration and its nearest neighbor. Multiply this difference by a random number between 0 and 1, and add it to the feature vector under consideration. This causes the selection of a random point along the line segment between two specific features.”

Deutsche Uebersetzung: „Die Minderheitsklasse wird oversampled, indem fuer jeden Minderheitspunkt entlang der Verbindungsstrecken zu seinen naechsten Minderheits-Nachbarn synthetische Beispiele eingefuegt werden. Je nach benoetigter Oversampling-Menge werden aus den Nachbarn zufaellig welche ausgewaehlt; unsere Implementierung verwendet fuenf Nachbarn. […] Die Differenz zwischen dem Merkmalsvektor und seinem naechsten Nachbarn wird mit einer Zufallszahl aus [0, 1] multipliziert und zum Ausgangsvektor addiert — das ergibt einen Zufallspunkt auf der Verbindungsstrecke.”

Begruendung Passung: Gesamte Algorithmus-Beschreibung in einem Highlight-Block: Nachbarn, als Default, Zufallswahl aus den Nachbarn, Interpolation entlang Verbindungslinie mit Zufallsparameter .

\cite[S.~331]{CBHK02} — Kombination mit Undersampling (Kap. 4.4 Z. 199)

Manuskript-Aussage: Die so vergroesserte Minderheitsklasse wird haeufig mit einem Undersampling der Mehrheitsklasse kombiniert, um eine ausgeglichenere Trainingsverteilung zu erhalten.

Originalwortlaut (S. 331, Section 4.3 „Under-sampling and SMOTE Combination”):

„The majority class is under-sampled by randomly removing samples from the majority class population until the minority class becomes some specified percentage of the majority class.”

Deutsche Uebersetzung: „Die Mehrheitsklasse wird per Zufalls-Entfernen so weit reduziert, bis die Minderheit einen vorgegebenen Prozentsatz der Mehrheit ausmacht.”

Begruendung Passung: Section 4.3 heisst explizit „Under-sampling and SMOTE Combination” und beschreibt die Mechanik der Kombination. Der Manuskript-Satz ist ihr direkter Reflex.

\cite[S.~352]{CBHK02} — Empirische Ueberlegenheit der Kombination (Kap. 4.4 Z. 201)

Manuskript-Aussage: Empirisch uebertrifft diese Kombination reines Undersampling.

Originalwortlaut (S. 352, Section 7 „Summary”):

„The results show that the SMOTE approach can improve the accuracy of classifiers for a minority class. SMOTE provides a new approach to over-sampling. The combination of SMOTE and under-sampling performs better than plain under-sampling.”

Deutsche Uebersetzung: „Die Ergebnisse zeigen, dass der SMOTE-Ansatz die Genauigkeit von Klassifikatoren fuer eine Minderheitsklasse verbessern kann. SMOTE bietet einen neuen Oversampling-Ansatz. Die Kombination von SMOTE und Undersampling schneidet besser ab als reines Undersampling.”

Begruendung Passung: Direkter empirischer Vergleich in Chawlas eigener Summary. Ergaenzt Z. 199 (Mechanik) um die Ergebnis-Aussage — verankert die Wahl der Kombination in PNRB15.

\cite{CBHK02} — Bibliografische Nennung im Zeitstrahl (Kap. 2.4 Z. 330)

Manuskript-Aussage: Nennung von Chawla et al. 2002 (SMOTE) im chronologischen Zeitstrahl. Originalwortlaut: Bibliografische Nennung ohne Seitenbezug. Begruendung Passung: Reine bibliografische Nennung der Primaerquelle im Zeitstrahl-Kontext.


Section 1. Introduction — Warum das Paper wichtig ist

Das Problem: Class Imbalance

Ein Datensatz ist unbalanciert, wenn die Klassen ungleich stark vertreten sind — in vielen Anwendungen liegt das Verhaeltnis bei 100 : 1 (Betrugserkennung) bis 100 000 : 1. Klassische Klassifikatoren optimieren auf Accuracy und geraten in eine Falle: Bei 98 % negativer und 2 % positiver Klasse (Mammographie) liefert ein „immer-negativ-Klassifikator” 98 % Accuracy und ist trotzdem klinisch wertlos.

Bisherige Ansaetze

  1. Kostensensitives Lernen: unterschiedliche Fehlklassifikationskosten (Pazzani et al. 1994; Domingos 1999).
  2. Re-Sampling: Oversampling der Minderheit (Ling & Li 1998) oder Undersampling der Mehrheit (Kubat & Matwin 1997).

CBHK02 kombiniert (a) synthetisches Oversampling der Minderheit (neu, ihr Beitrag) mit (b) Random-Undersampling der Mehrheit.


Section 2. Performance Measures — Warum nicht Accuracy?

Konfusionsmatrix

Predicted NegativePredicted Positive
Actual NegativeTNFP
Actual PositiveFNTP

Standardformeln:

ROC-Kurve (Receiver Operating Characteristic)

Zeigt %TP () gegen %FP () fuer verschiedene Klassifikator-Betriebspunkte. Der Ideal-Punkt ist (0, 100). Die Diagonale entspricht Zufallsraten.

AUC — Area Under the Curve

Integriert die ROC-Kurve mit der Trapezregel. Ein Klassifikator mit hoeherer AUC dominiert einen mit niedrigerer AUC generell (Bradley 1997).

ROC-Konvex-Huelle

Zentrale Idee (Provost & Fawcett 2001): Punkte auf der Konvex-Huelle sind potenziell optimal — es gibt keine andere Kombination mit gleicher Steigung, aber hoeherem TP-Intercept. Klassifikatoren, deren ROC-Punkte auf der Huelle liegen, sind fuer irgendein Kostenverhaeltnis die beste Wahl.


Section 3. Previous Work — Kurzueberblick

Kubat & Matwin (1997) unterteilen Minderheitsbeispiele in noise / borderline / redundant / safe und nutzen Tomek Links zur Identifikation von Borderline-Punkten. Weitere verwandte Arbeiten: SHRINK (Kubat et al. 1998), Japkowicz (2000), Ling & Li (1998), Solberg & Solberg (1996), DeRouin et al. (1991, Neural Nets), Lewis & Catlett (1994), Mladenić & Grobelnik (1999).

Kern-Fazit der Literatur (S. 326): „Under-sampling the majority class enables better classifiers to be built than over-sampling the minority class. A combination of the two as done in previous work did not lead to classifiers that outperform those built utilizing only under-sampling. However, the over-sampling of the minority class has been done by sampling with replacement from the original data. Our approach uses a different method of over-sampling.”


Section 4. SMOTE — Der Algorithmus

4.1 Warum Replikation nicht funktioniert

Wird ein Minderheitspunkt einfach dupliziert, verringert sich zwar sein Gewicht in der Verlustfunktion nicht — aber die Entscheidungsregion um ihn wird kleiner und spezifischer:

  • Der Decision-Tree spaltet feiner und feiner in der Naehe des replizierten Punktes,
  • die Baumgroesse waechst (mehr Terminal-Nodes, mehr Blaetter),
  • der Klassifikator overfitted auf die vervielfachten Punkte.

Konkret gezeigt in Fig. 3 (Mammography-Datensatz, S. 327): (a) drei Minderheitspunkte liegen in einer Mehrheits-Region, (b) Replikation erzeugt sehr enge Rechteck-Regionen um jeden replizierten Punkt, (c) SMOTE dagegen erzeugt eine breite gestrichelte Region, die alle Minderheitspunkte einschliesst.

4.2 Der SMOTE-Algorithmus

Idee: Fuer jeden Minderheitspunkt :

  1. Bestimme seine naechsten Minderheitsnachbarn im Merkmalsraum (Euklidische Distanz), Standard .
  2. Waehle je nach Oversampling-Grad einige davon zufaellig aus (fuer 200 % Oversampling: 2 aus 5).
  3. Fuer jeden ausgewaehlten Nachbarn : berechne die Differenz , multipliziere sie mit einer Zufallszahl , addiere sie zu .

Das ergibt einen zufaelligen Punkt auf der geraden Verbindungslinie zwischen und — geometrisch: lineare Interpolation im Merkmalsraum.

Pseudocode (S. 329):

Algorithm SMOTE(T, N, k)
Input:  T = Anzahl Minderheitsbeispiele
        N = Oversampling-Menge in Prozent
        k = Anzahl Nachbarn
Output: (N/100) * T synthetische Beispiele

for i = 1 to T:
    Compute k nearest neighbors for i, save indices in nnarray
    Populate(N, i, nnarray)

Populate(N, i, nnarray):
    while N ≠ 0:
        nn = random(1, k)
        for attr = 1 to numattrs:
            dif = Sample[nnarray[nn]][attr] - Sample[i][attr]
            gap = random(0, 1)
            Synthetic[newindex][attr] = Sample[i][attr] + gap * dif
        newindex++
        N = N - 1

Beispiel (Table 1, S. 330): Ausgangspunkt (6, 4), naechster Nachbar (4, 3). Differenz: (−2, −1). Neuer synthetischer Punkt = (6, 4) + rand(0, 1) · (−2, −1).

4.3 Under-sampling and SMOTE Combination

Die Mehrheitsklasse wird durch zufaelliges Entfernen von Datenpunkten reduziert, bis die Minderheit einen vorgegebenen Prozentsatz der Mehrheit ausmacht. Wichtige Notation (S. 331): „under-sample at 200 %” bedeutet: der modifizierte Datensatz enthaelt doppelt so viele Minderheitsbeispiele wie Mehrheitsbeispiele.

Konkretes Beispiel: 50 Minderheits- + 200 Mehrheitsbeispiele → bei 200 % Undersampling bleiben 25 Mehrheitsbeispiele uebrig.

Durch die Kombination SMOTE(Minderheit) + Undersampling(Mehrheit) wird der urspruengliche Klassifikations-Bias zugunsten der Mehrheit umgekehrt.


Section 5. Experimente

5.1 Datensaetze (Table 2, S. 334)

Neun Datensaetze mit zunehmendem Imbalance-Grad:

DatasetMehrheitMinderheitVerhaeltnis
Pima5002681,9 : 1
Phoneme381815862,4 : 1
Adult37155116873,2 : 1
E-state4686963517,4 : 1
Satimage58096269,3 : 1
Forest Cover35754274713 : 1
Oil8964122 : 1
Mammography1092326042 : 1
Can435512836052 : 1

5.2 Setup

  • Basisklassifikatoren: C4.5 Release 8 (Quinlan 1992), Ripper (Cohen 1995) mit Loss-Ratio-Variation 0,9 → 0,001, Naive Bayes mit Prior-Skalierung 1×–50× Minderheit.
  • SMOTE-Skalierung: 100 %, 200 %, 300 %, 400 %, 500 % (dataset-abhaengig).
  • Undersampling-Skalierung: 10 %, 15 %, 25 %, 50 %, 75 %, 100 %, 125 %, 150 %, 175 %, 200 %, 300 %, 400 %, 500 %, 600 %, 700 %, 800 %, 1000 %, 2000 %.
  • Cross-Validation: 10-fach, jede ROC-Kurve = Mittel ueber 10 Faltungen.

5.3 Ergebnisse — AUC-Tabelle (Table 3, S. 345, C4.5)

Bestwerte fett; AUC-Werte skaliert x10000:

DatasetUnder100 SMOTE200 SMOTE300 SMOTE400 SMOTE500 SMOTE
Pima72427307
Phoneme862286448661
Satimage890089578979896389758960
Forest Cover980798329834984998419842
Oil852485238368816183398537
Mammography926092509265931193309304
E-state681167926828678467886779
Can953595059505949494729470

Beobachtungen:

  • In fast allen Datensaetzen liegt der Bestwert mit SMOTE (nur Can gewinnt reines Undersampling).
  • Der optimale SMOTE-Grad variiert stark je Datensatz — dieser Punkt ist wichtig fuer PNRB15, wo die Autoren 700–1000 % einsetzen.

5.4/5.5 Weitere Vergleiche

  • Threshold-Tuning (Sec. 5.4, S. 345): SMOTE dominiert Provost’s Alternative, die Blatt-Entscheidungsschwellen in C4.5 direkt zu variieren.
  • SHRINK und One-sided Selection (Sec. 5.5, S. 345): SMOTE ist vergleichbar mit SHRINK und teils besser (Oil-Datensatz).

Section 6. Future Work — Erweiterungen

6.1 SMOTE-NC (Nominal-Continuous, S. 348)

Fuer Datensaetze mit gemischt numerisch/nominalen Merkmalen. Idee:

  1. Berechne den Median der Standardabweichungen aller kontinuierlichen Minderheits-Merkmale.
  2. In der Euklidischen Distanz wird pro unterschiedlichem nominalen Merkmal dieser Median als Straf-Term addiert.
  3. Der synthetische Punkt uebernimmt fuer nominale Merkmale die Mehrheitswahl unter den k Nachbarn, fuer kontinuierliche Merkmale die Standard-SMOTE-Interpolation.

6.2 SMOTE-N (rein nominal, S. 349)

Verwendet die Value Difference Metric (Stanfill & Waltz 1986, modifiziert von Cost & Salzberg 1993):

Zwei nominale Werte sind sich aehnlich, wenn sie ueber die Klassen aehnlich verteilt sind. Der synthetische Vektor uebernimmt pro Merkmal die Mehrheitsstimme der k Nachbarn.


Section 7. Summary — Kern-Erkenntnisse

Aus dem Paper direkt (S. 352):

  • SMOTE + Undersampling schlaegt reines Undersampling in 44 von 48 Experimenten.
  • SMOTE + Undersampling schlaegt Ripper-Loss-Ratio-Variation und Naive-Bayes-Prior-Variation.
  • Erklaerung des Effekts: „Our method of synthetic over-sampling works to cause the classifier to build larger decision regions that contain nearby minority class points” — statt kleinerer, spezifischerer Regionen bei Replikation.

Ausnahmen (S. 352): Pima (Naive Bayes gewinnt — geringster Imbalance-Grad), Oil (Under-Ripper besser), Can (SMOTE und Under ueberlappen).


Zusammenfassung — was Du wissen musst

Wenn Du morgen 5 Saetze ueber CBHK02 sagen musst, sind es diese:

  1. Problem: Bei stark unbalancierten Datensaetzen (z. B. 100 : 1) sind klassische Accuracy-optimierende Klassifikatoren nutzlos — sie ignorieren die interessante Minderheitsklasse. Loesungsansaetze der Vergangenheit (Undersampling, Kosten, Priors) haben Nachteile.
  2. Kern-Verfahren SMOTE: Fuer jeden Minderheitspunkt werden seine k = 5 naechsten Klassenkameraden gesucht; zwischen Punkt und einem zufaellig gewaehlten Nachbarn wird durch lineare Interpolation im Merkmalsraum ein synthetischer Datenpunkt eingefuegt.
  3. Kombination: SMOTE wird typisch mit Random-Undersampling der Mehrheitsklasse kombiniert, sodass die Klassenverteilung ausgeglichener wird.
  4. Warum synthetisch statt Replikation: Replikation erzeugt kleine, spezifische Entscheidungsregionen (Overfitting, groessere Baeume); SMOTE zwingt den Klassifikator zu breiteren, allgemeineren Regionen.
  5. Empirisches Ergebnis: In 44 von 48 Experimenten (C4.5 / Ripper / Naive Bayes ueber 9 Datensaetze) liefert SMOTE + Undersampling bessere ROC-Konvex-Huellen und AUC als reines Undersampling, Loss-Ratio-Variation oder Prior-Variation.

Formales Referenzblatt

Symboltabelle

SymbolAussprache / NameBedeutung
„gross T”Anzahl der Minderheitsbeispiele im Trainingsdatensatz
„gross N”Oversampling-Menge in Prozent (100, 200, 300, 400, 500)
„klein k”Anzahl naechster Nachbarn fuer SMOTE (Standard k = 5)
„gap”Zufallszahl aus dem Intervall , Position auf der Verbindungsstrecke
„x-i”Betrachteter Minderheitspunkt (Feature-Vektor)
„x-N-N”Zufaellig gewaehlter naechster Nachbar aus den k Nachbarn
„x-new”Neu erzeugter synthetischer Datenpunkt
„True Positive”Korrekt vorhergesagte Minderheit (Ausfall / Krebszelle / Interessantes)
„False Positive”Falsche Minderheits-Vorhersage (Fehlalarm)
„True Negative”Korrekt vorhergesagte Mehrheit
„False Negative”Uebersehene Minderheit
„Prozent TP”Trefferquote = (Y-Achse der ROC-Kurve)
„Prozent FP”Fehlalarmquote = (X-Achse der ROC-Kurve)
„A-U-C”Area Under the (ROC) Curve, ueber Trapezregel
„delta von V-1, V-2”Value Difference Metric — Distanz zweier nominaler Werte (SMOTE-N)
„C-1, C-1-i”Gesamtvorkommen von Wert und Vorkommen von in Klasse

Formeln und ihre Bedeutung

(1) SMOTE-Interpolation — Herzstueck des Algorithmus:

Was sie sagt: Der neue synthetische Punkt liegt auf der geraden Verbindungslinie zwischen dem Ausgangspunkt und dem zufaellig gewaehlten k-naechsten Nachbarn — an einer zufaelligen Position, angegeben durch .

Geometrisch:

  • : (identisch mit Ausgangspunkt — Rand-Fall).
  • : (identisch mit Nachbar — Rand-Fall).
  • : exakt in der Mitte der Strecke.

Wie im Paper genutzt: Die Formel wird pro Merkmal-Dimension einzeln angewendet, mit immer derselben Zufallszahl fuer alle Dimensionen eines Punktepaars — dadurch bleibt der neue Punkt exakt auf der Geraden.

Fuer die Verteidigung merken: SMOTE erweitert die konvexe Huelle der Minderheitspunkte im Merkmalsraum nicht — der neue Punkt liegt immer innerhalb der Nachbarschaft. Das ist die entscheidende Sicherheitsgarantie gegen unrealistische Ausreisser.

(2) Recall und Precision (S. 326):

Was sie sagen: Recall = Anteil der tatsaechlichen Minderheitspunkte, die auch erkannt werden. Precision = Anteil der Minderheits-Alarme, die tatsaechlich korrekt sind.

Warum wichtig: Bei unbalancierten Klassen viel aussagekraeftiger als Accuracy — decken die zwei Fehlerarten separat auf.

(3) Accuracy (S. 323) — warum sie nicht geeignet ist:

Was sie sagt: Anteil aller korrekten Klassifikationen an allen Beispielen.

Warum sie versagt: Bei 98 % Mehrheit erreicht ein „immer-negativ-Klassifikator” 98 % Accuracy — obwohl er die Minderheit komplett verpasst.

(4) Value Difference Metric fuer SMOTE-N (S. 351):

Was sie sagt: Zwei nominale Werte , sind aehnlich, wenn ihre klassenweise Verteilung aehnlich ist. Beispiel: „Diagnose = benign” und „Diagnose = fibroid” sind aehnlich, wenn beide zu 90 % in „gesund”-Beispielen vorkommen.

Warum wichtig: Fuer rein nominale Daten (z. B. kategoriale Attribute in medizinischen Daten) liefert die Euklidische Distanz keinen sinnvollen Nachbarschaftsbegriff — VDM ersetzt sie.


Bezug zu PNRB15 (Fallstudie in Kap. 5 der Zulassungsarbeit)

Prytz et al. 2015 setzen SMOTE exakt so ein wie in CBHK02 beschrieben, aber mit anderen Skalierungsparametern:

ParameterCBHK02 (Standard)PNRB15 (LKW-Kompressor)
Nachbaranzahl k512–20
SMOTE-Grad100–500 %700–1000 %
Kombiniert mit Undersamplingjaja (TL, ENN, CNN, NCL)
BasisklassifikatorC4.5 / Ripper / NBRandom Forest (100 Baeume)
EvaluationsmetrikAUC + ROC-HuelleProfit-Funktion

Interpretation: PNRB15 skaliert SMOTE aggressiver, weil der Ausfall-Klassen-Anteil im LKW-Datensatz deutlich kleiner ist als in den meisten CBHK02-Datensaetzen. Zudem verwenden sie ausgefeiltere Undersampling-Varianten (Tomek Links, Edited Nearest Neighbor, Condensed NN, Neighbourhood Cleaning), waehrend CBHK02 nur reines Random-Undersampling einsetzt.


Zusammenhaenge

  • Zitat-Index: zitat-index
  • Quellenkarte: CBHK02
  • Baut auf: — (eigenstaendige Methoden-Entwicklung)
  • Wird verwendet in: pnrb15-zusammenfassung (SMOTE + Undersampling im Random-Forest-Setting), Kap. 4.4 der Zulassungsarbeit (Erklaerung des SMOTE-Verfahrens)
  • Konzeptuelle Nachbarn:
  • Unsere Arbeit: Kap. 2.4 (Zeitstrahl-Nennung), Kap. 4.4 (SMOTE-Grundprinzip + Kombination mit Undersampling — zwei \beleg-Stellen, spaeter zu \cite[S.~328]{CBHK02} und \cite[S.~331]{CBHK02} umgeschrieben)