Kriterienraster

Für Kapitel 2.2 und 2.5. Abgeleitet aus anforderungsprofil. Stand: 2026-09-04.

Vor der Systemprüfung festgelegt (Betreuervorgabe 2026-08-03). Die Ausprägungen sind beschreibend, nicht wertend: Keine Skala nennt die eigene Lösung als Zielwert. Die Bewertung erfolgt getrennt in der Positionierung (Kapitel 2.6), damit Erhebung und Wertung auseinandergehalten werden können.

Regeln der Erhebung

  1. Dokumentationsbasiert. Grundlage ist ausschließlich die technische Herstellerdokumentation, nicht Werbematerial. Keine Installation, keine Messung, kein Praxistest.
  2. Belegpflicht. Jeder Befund wird mit Fundstelle erfasst: genaue Adresse und Abrufdatum. Mehrere Seiten derselben Adresse und desselben Datums erhalten die Zusätze a, b, c.
  3. Nicht belegbar ist ein eigener Wert. Findet sich zu einer Achse keine Aussage in der Dokumentation, wird das als solches vermerkt und nicht durch Vermutung ersetzt.
  4. Nüchterne Einordnung. Ein abweichender Befund ist ein anderer Einsatzschwerpunkt, kein Mangel. Die betrachteten Systeme sind für ihren Zweck sachgerecht gebaut.

Die Achsen

Nr.AchseLeitfrageAusprägungenHerkunftTrennschärfe
K1Ort der DesigndefinitionWoraus besteht die geteilte Designquelle?Programmcode oder Templatedatei / Datensatz im System / Kopie je StandortA1, N12teilweise
K2Wirkungsweg einer zentralen DesignänderungWas muss geschehen, damit eine Änderung an einer Standortseite sichtbar wird?unmittelbar bei der nächsten Anfrage / nach einem auszulösenden Verteilvorgang / nach Auslieferung eines ProgrammstandsN1, N14hoch
K3Form der StandortableitungWas existiert je Standort als eigenes Artefakt?keines, Auflösung zur Anfragezeit / Vollkopie der Inhalte / erzeugtes AusgabeartefaktN7, N10hoch
K4Ort und Zeitpunkt der AbweichungsfreigabeWo ist festgelegt, was ein Standort ändern darf?am Bausteintyp, vorab und für alle Standorte gleich / am einzelnen Objekt im Einzelfall / nicht vorgesehenN2, N3, N6hoch
K5Granularität der AbweichungWas ist die kleinste Einheit, die lokal abweichen kann?einzelnes Feld / ganzes Element oder ganze Seite / gesamter AuftrittN6, N8hoch
K6Ebenen der VererbungsketteWie viele Zwischenebenen liegen zwischen Zentrale und Standort?einstufig / zweistufig / mehrstufig frei staffelbarN4a, N4bhoch
K7Bedienerkreis der lokalen PflegeWer kann eine lokale Änderung vornehmen?Endnutzer ohne technische Kenntnisse / Redakteur mit Systemkenntnis / EntwicklerN5, N12teilweise
K8Mandantentrennung und AdressierungWie sind Standorte voneinander getrennt und wie werden sie erreicht?geteilte Datenhaltung mit Scoping, eigene Adresse / getrennte Datenbestände / getrennte InstallationenN9, N11gering (Hygiene)
K9Aufwandsentwicklung je zusätzlichem StandortWie verändert sich der laufende Pflegeaufwand mit der Zahl der Standorte?konstant / wachsend mit der Zahl der Standorte / wachsend mit Standorten und ÄnderungenN10abgeleitet

K9 wird nicht eigenständig erhoben. Der Wert folgt aus K2, K3 und K5. Die Achse wird trotzdem geführt, weil sie die Kernaussage der Arbeit trägt; ihre Abhängigkeit wird im Text ausgewiesen, statt sie als unabhängigen Befund auszugeben.

Was das Raster bewusst nicht enthält

ausgelassenBegründung
Antwortzeit, Zwischenspeicherungdokumentationsbasiert nicht prüfbar; im eigenen Entwurf offen (Kapitel 4.9)
Auffindbarkeit in Suchmaschinenvom Verfasser als Nichtkriterium verworfen
Verbreitung, Marktanteil, Lizenzkostenkeine Aussage darüber, wie „ein Design, viele Standorte” gelöst wird
Funktionsumfang allgemeindie Systeme sind unterschiedlich zugeschnitten; ein Vollvergleich sprengt den Umfang

Prüfprotokoll je System

Für jedes System wird eine eigene Datei nach diesem Muster angelegt:

1. Kennung: Name, Anbieter, betrachteter Stand oder Version
2. Herangezogene Dokumentation: Adresse, Titel, Abrufdatum (je Fundstelle)
3. Befund je Achse K1 bis K9: Ausprägung, Begründung, Fundstelle
4. Nicht belegbare Achsen
5. Einordnung: wofür das System gebaut ist

Systeme

Fünf Systeme in zwei Tiefen. Vorgehen und Begründung der Staffelung: recherchestruktur.

KandidatTiefeRolle im Vergleich
Adobe Experience Manager, Multi Site ManagerAnächster Verwandter: Vererbung mit gezieltem Bruch, jedoch über Kopie und Verteilvorgang; staffelbar über mehrere Ebenen
WordPress MultisiteAverbreitetster Kopieransatz; Ausbaustufe des beim Kunden eingesetzten Systems
TYPO3Aeinziger Kandidat mit Referenzmechanik statt Kopie und Vererbung entlang des Seitenbaums; relativiert die eigene Lückenaussage am stärksten
Headless-CMS mit mehreren Bereichen (Storyblok, ergänzend Contentful)BGegenposition: Gestaltung im Anwendungscode, Designänderung als Auslieferung
Standortseiten-Plattform (Duda)Bdem Anwendungsfall am nächsten, Beleglage am dünnsten

Ausgangssystem und Vergleichspartner sind zu trennen. Beim Franchisekunden läuft WordPress als Einzelinstallation. Diese begründet in Kapitel 1 die Problemstellung, sie ist aber kein Vergleichspartner, weil sie den Fall „viele Standorte” gar nicht adressiert. Im Vergleich steht WordPress Multisite, also die Ausbaustufe, die genau dafür vorgesehen ist. Das ist die faire Gegenüberstellung: Der eigene Entwurf tritt gegen die beste Antwort an, die WordPress auf das Problem gibt, nicht gegen die schwächste.

Erwartete Trennung (Vorabannahme, zu prüfen)

Diese Annahme wird vor der Erhebung festgehalten, damit sichtbar bleibt, ob die Prüfung sie bestätigt oder korrigiert. Sie ist kein Ergebnis.

Erwartet wird, dass kein betrachtetes System K2 (unmittelbare Wirkung), K4 (Freigabe am Typ) und K5 (feldweise) gemeinsam erfüllt, und dass der eigene Entwurf K6 (Ebenen) nicht für sich entscheidet.

Für TYPO3 wird eine offene Prüfung ausdrücklich festgehalten: Sollte sich die Referenzmechanik als tragfähige Lösung für K3 erweisen, ist die Lückenaussage in Kapitel 2.6 entsprechend einzuschränken, nicht die Achse zu verändern.

Zusammenhänge