Recherchestruktur
Legt vor der Erhebung fest, wo gesucht wird, wonach gesucht wird und was als Beleg zählt. Zweck ist die Verteidigbarkeit: Die Auswahl der Fundstellen muss als Ergebnis eines vorher festgelegten Vorgehens erklärbar sein, nicht als Ergebnis dessen, was zufällig gefunden wurde. Stand: 2026-09-04.
Grundsätze
- Nur Herstellerdokumentation. Technische Produktdokumentation des Anbieters. Keine Agenturbeiträge, keine Blogartikel, keine Vergleichsportale, kein Werbematerial. Begründung: Nur der Hersteller beschreibt die Mechanik verbindlich; Dritte beschreiben Eindrücke.
- Kein Praxistest. Keine Installation, keine Messung, keine Testkonten. Der Vergleich beschreibt Konzepte, nicht Betriebsverhalten.
- Stand festhalten. Je System werden Produktversion beziehungsweise Dokumentationsstand und Abrufdatum notiert. Produktdokumentation ist veränderlich; ohne Datum ist der Beleg wertlos.
- Belegformat. Webquelle mit genauer Adresse, Seitentitel und Abrufdatum. Nach Vorgabe erscheinen Webquellen in Fußnoten, nicht im Literaturverzeichnis. Mehrere Seiten derselben Adresse und desselben Datums erhalten die Zusätze a, b, c.
- Fehlende Aussage ist ein Befund. Findet sich zu einer Achse nichts, wird „in der Dokumentation nicht ausgewiesen” eingetragen. Keine Vermutung, keine Herleitung aus dem Bedienoberflächen-Eindruck.
- Zuerst die Achse, dann die Suche. Gesucht wird gezielt je Achse. Nicht umgekehrt aus gefundenen Seiten Achsen ableiten.
Tiefenstaffelung
Fünf Systeme, zwei Tiefen. Die Zuordnung folgt der konzeptionellen Nähe zum eigenen Entwurf: Je näher ein System am eigenen Ansatz liegt, desto genauer muss die Abgrenzung ausfallen.
| Tiefe | Systeme | Umfang | Achsen |
|---|---|---|---|
| A: vollständige Prüfung | Adobe Experience Manager (MSM), WordPress Multisite, TYPO3 | je rund eine Seite | K1 bis K9 |
| B: Kontrastfolie | Headless-CMS (Storyblok, ergänzend Contentful), Standortseiten-Plattform (Duda) | je rund ein Drittel Seite | K2 bis K6 |
Begründung der Zuordnung:
- AEM löst dasselbe Problem (Abweichung ohne Fork) mit dem entgegengesetzten Mechanismus. Nächster Verwandter, deshalb Tiefe A.
- WordPress Multisite ist die Ausbaustufe des Systems, das beim Franchisekunden abgelöst werden soll, und der verbreitetste Kopieransatz.
- TYPO3 ist der einzige Kandidat mit einer Referenzmechanik statt Kopie und mit Vererbung entlang des Seitenbaums. Es relativiert die eigene Lückenaussage am stärksten und wird deshalb bewusst vollständig geprüft, nicht verkürzt. Ein Vergleich, der den unbequemsten Kandidaten auslässt, ist angreifbar.
- Headless besetzt die Gegenposition „Gestaltung liegt im Anwendungscode”. Für die Argumentation genügen die trennscharfen Achsen.
- Standortseiten-Plattform ist dem Anwendungsfall am nächsten, aber am schlechtesten belegbar. Kontrastfolie mit ausdrücklichem Hinweis auf die dünne Beleglage.
Quellen je System
| System | Dokumentationsort | Leitbegriffe der Suche |
|---|---|---|
| WordPress Multisite | developer.wordpress.org, wordpress.org/documentation | Create a Network, Network Administration, Users and Roles, Domain Mapping, Themes in Multisite |
| Adobe Experience Manager | experienceleague.adobe.com (AEM Sites Administering) | Multi Site Manager, Blueprint, Live Copy, Rollout Configuration, Inheritance, Suspend Inheritance |
| TYPO3 | docs.typo3.org | Site Handling, Multi-site, Insert Records, Content Reference, TSconfig Inheritance, Page Tree |
| Storyblok / Contentful | storyblok.com/docs, contentful.com/developers/docs | Spaces, Blocks und Field Schema, Visual Editor, Environments, Content Model |
| Duda | help.duda.co, developer.duda.co | Multi-Site Management, Site Templates, Global Design, Widget Builder |
Ergänzend zulässig: Versionshinweise und Änderungsverzeichnisse des Herstellers, soweit sie eine Mechanik beschreiben.
Vorgehen je Achse
Für jedes System werden die neun Achsen in dieser Reihenfolge bearbeitet, weil spätere Achsen auf früheren aufbauen:
- K1 Ort der Designdefinition klärt, worüber überhaupt geteilt wird.
- K3 Form der Standortableitung klärt, was je Standort entsteht.
- K2 Wirkungsweg folgt aus K3.
- K6 Ebenen beschreibt die Staffelung der Ableitung.
- K4 Ort der Freigabe und K5 Granularität beschreiben die Abweichungsmechanik.
- K7 Bedienerkreis und K8 Trennung/Adressierung ergänzen den Betrieb.
- K9 Aufwandsentwicklung wird zuletzt aus K2, K3 und K5 abgeleitet, nicht eigenständig erhoben.
Abgrenzung: was nicht recherchiert wird
- Preis-, Lizenz- und Betriebsmodelle
- Marktanteile und Verbreitung
- Erweiterungen und Zusatzmodule Dritter. Begründung: Verglichen wird, was ein System von sich aus leistet. Sonst ist jedes System durch beliebige Erweiterungen mit jedem anderen gleichwertig, und der Vergleich verliert seine Aussage. Wo eine Kernfunktion erkennbar erst durch Erweiterungen entsteht, wird das als Befund vermerkt.
- Bedienoberfläche und Bedienkomfort, außer soweit K7 betroffen ist
Zusammenhänge
- Kriterienraster: kriterienraster
- Anforderungsprofil: anforderungsprofil
- Systeme und Positionierung: verwandte-arbeiten