TP3 Präsentations-Konvention
Diese Konvention bündelt die Regeln für die Erstellung und Durchführung des TP3-Vortrags zur Zulassungsarbeit. Sie leitet die Regeln aus dem HS-Trier-Lehrmaterial 3_Praesentieren.pdf (Prof. Dr.-Ing. Jörg Lohscheller, 87 Folien) ab und ergänzt sie um die konkreten Prüfungsbedingungen.
Verweise auf das Lehrmaterial erfolgen in der Form (F23) für Folie 23 des Foliensatzes.
Die 5-Minuten-Fragerunde nach dem Vortrag ist nicht Gegenstand dieser Konvention und wird separat behandelt.
1. Prüfungsrahmen
| Element | Vorgabe |
|---|---|
| Termin | 14.11.2026, Präsenz Trier |
| Dauer | 20 Minuten Vortrag + 5 Minuten Fragen |
| Thema | Zulassungsarbeit „Funktionsprinzipien und Anwendungen von Entscheidungsbäumen” |
| Publikum | Prüfungskommission des Fernstudiums Informatik |
| Vortragsart | Fachvortrag mit seminaristischen Anteilen (F5) |
Zeitdisziplin ist Pflicht: „Planen, dass die zeitliche Vorgabe perfekt eingehalten wird. Eine Formel zur Berechnung der Folienanzahl existiert nicht.” (F26)
Als Richtwert bei fachlichen Vorträgen gilt eine Folie pro 60–90 Sekunden — bei 20 Minuten also 15–20 inhaltliche Folien plus Titel- und Schlussfolie. Die konkrete Zahl ergibt sich aus Probevorträgen, nicht aus einer Formel.
2. Zielpublikum und Registerwahl
Zielfrage: „Wie überzeuge/erreiche ich mein Zielpublikum?” (F11)
Die Prüfungskommission ist fachlich kompetent, aber nicht zwingend auf Entscheidungsbäume spezialisiert. Daraus folgt:
- Fachliche Fundierung ohne Überhebung; Fachbegriffe werden eingeführt, nicht als bekannt vorausgesetzt.
- Keine redundante Grundlagen-Vermittlung (z. B. „Was ist maschinelles Lernen?”) auf Lehrbuch-Niveau; stattdessen schlanke Verortung auf 1–2 Folien.
- Bezug zu konkreten Beispielen aus der Fallstudie an mindestens drei Stellen, nicht erst am Schluss (F69).
Es gibt keinen universell guten Vortrag: andere Zielgruppe = anderer Vortrag (F21).
3. Vortragsdramaturgie
Jeder Vortrag folgt einem Spannungsbogen aus Einleitung – Hauptteil – Schluss (F7, F8).
3.1 Packender Beginn
Nicht mit „Mein Thema ist …” oder einer Gliederungsfolie starten (F32). Startoptionen:
- Konkrete Zahl, Beobachtung oder Problemfrage aus der Fallstudie (z. B. „Ein ausgefallener LKW-Luftkompressor kostet …“) (F35).
- Ein visueller Aufhänger auf der Titelfolie (F28, F29).
Begründung: „Erster Eindruck” und „bleibender Eindruck” sind die Ausreißer in der Aufmerksamkeitskurve (F8). Was dort steht, bleibt am stärksten in Erinnerung.
3.2 Zwischenreize im Hauptteil
Nach 3–5 Minuten sinkt die Aufmerksamkeit automatisch. Zwischenreize heben sie zurück (F8):
- Zäsur-Folien zwischen Hauptteilen (sprachlich und optisch) (F42).
- Perspektivwechsel (Übergang Theorie → Fallstudie).
- Konkrete Zahlen oder Vergleiche.
3.3 Starker Schluss
- Erster und letzter Satz werden auswendig beherrscht (F87).
- Zusammenfassung: nicht die Gliederung wiederholen, sondern die Kern-Erkenntnis in 2–3 Sätzen formulieren.
4. Foliengrundregeln
4.1 Eine Botschaft pro Folie
„Jede Folie sollte eine klare Botschaft haben und genau diese Information gilt es zu vermitteln.” (F24)
Konsequenz: Wenn zwei Botschaften zusammenkommen, werden sie auf zwei Folien verteilt.
4.2 Maximaler Textumfang
Höchstens 8 Zeilen Text pro Folie (F24). „Keine textuell/inhaltlich überladenen Folien.”
4.3 Alles Gezeigte wird erklärt
„Alles, was auf einer Folie gezeigt ist, muss auch erklärt werden.” (F24, F45)
Konsequenz: Keine dekorativen Elemente, keine Diagrammteile, die man im Vortrag ignoriert.
4.4 Pflicht-Layoutelemente
Jede inhaltliche Folie trägt (F23):
- Titel oben links
- HS-Trier-Logo oben rechts (sofern HS-Vorlage verwendet)
- Foliennummer unten rechts
- Quellenangabe als Zeile am Fußbereich, sobald Fakten zitiert werden
4.5 Schrift
Keine Serifenschrift auf Folien (F23). Schriftgröße so, dass die hinterste Reihe des Hörsaals mitlesen kann (empirischer Richtwert: Fließtext min. 20 pt, Diagrammtitel min. 24 pt).
4.6 Vortragssprache in Folien und Bildern
„Text auf Folien in Vortragssprache (kein Mix; auch nicht in Bildern).” (F25)
Konsequenz: Englische Bildunterschriften in deutschem Vortrag vermeiden. Übernommene Abbildungen aus englischen Primärquellen entweder beschriften oder in Vortragssprache nachbauen.
4.7 Quellen auch im Vortrag nennen
Wichtige Quellen werden nicht nur als Fußzeile auf der Folie geführt, sondern auch im Vortrag benannt (F25). Beispiel: „Breiman zeigt in seiner Random-Forests-Arbeit von 2001, dass …“
5. Foliengrundformen
| Form | Zweck | Hinweis |
|---|---|---|
| Titelfolie | Aufhänger + Rahmen (Thema, Autor, Hochschule, Datum) | informativ + interessant (F28, F29) |
| Einstiegs-/Motivationsfolie | Packender Beginn (Zahl, Beobachtung, Problem) | (F35) |
| Gliederungsfolie | roter Faden sichtbar machen | nur wenn konzeptionell eingebettet; sonst Risiko „heruntergerattert” (F32, F38) |
| Zäsur-/Kapitelfolie | Strukturbruch zwischen Hauptteilen | sichtbar hervorgehoben (F42) |
| Inhaltsfolie | eine klare Botschaft pro Folie | (F24) |
| Abbildungsfolie | Visualisierung | siehe Abschnitt 6 |
| Zusammenfassungsfolie | Kern-Ergebnisse | nicht Gliederung wiederholen |
| Backup-Folien | nicht gezeigte Zusatzfolien für Nachfragen | hinter der Schlussfolie; keine Nummer im Vortragslauf |
Zur Gliederungsfolie: Prof. Lohscheller stellt zwei Ansätze gegenüber (F31–F35): statische Agenda vs. zielgruppen-interessanter Einstieg. Für eine Zulassungsarbeits-Verteidigung empfiehlt sich der kombinierte Weg: nach einem packenden Einstieg kommt eine kurze Gliederungs-/Roadmap-Folie, die den weiteren Vortragsverlauf verankert (F38).
6. Abbildungen
6.1 Nicht überladen
„Abbildungen auf Folien dürfen inhaltlich nicht überladen sein.” (F45)
Faustregel: Wenn ein Zuhörer die Abbildung ohne Kommentar nicht in 10 Sekunden erfassen kann, ist sie zu voll.
6.2 Schrittweiser Aufbau
Komplexe Abbildungen (Diagramme mit mehreren Elementen, Pipeline-Darstellungen, formale Zusammenhänge) werden über mehrere aufeinanderfolgende Folien aufgebaut (F51–F65). Jedes Element wird eingeführt und erklärt, bevor das nächste erscheint.
6.3 Kontrast und Sichtbarkeit
„Farben und Liniendicken wählen, die gut sichtbar sind (auch bei ungünstigen Lichtverhältnissen).” (F45)
Konsequenz: Pastellfarben und dünne Linien meiden. Semantische Farbgebung sparsam einsetzen (vgl. Vault-Feedback „Abbildungen farblos” aus der Zulassungsarbeit).
6.4 Übernahme aus der Zulassungsarbeit
Abbildungen aus der Zulassungsarbeit (Kachelung, Bagging-Schema, RF-Split-Schema, Verarbeitungspipeline der Fallstudie, Profit-Balkendiagramm) können übernommen werden, aber:
- Caption der Arbeit wird nicht übernommen; die Erläuterung erfolgt mündlich.
- Beschriftungen in Vortragssprache (vgl. 4.6).
- Format auf 16:9 skaliert und auf Projektorsichtbarkeit geprüft.
7. Sprache im Vortrag
Kernregeln (F69):
- Klar, nicht gekünstelt, verständliche Sprache.
- Fremdwörter nicht überstrapazieren.
- Kein Denglisch („das Modell lernt die Features” → „das Modell lernt aus den Merkmalen”).
- Konjunktiv meiden (könnte, hätte).
- Aktiv sprechen, lebendig.
- Konkrete Beispiele einbauen, die sauber erklärt werden.
- Sprachlich einwandfreie Erklärungen — keine abgebrochenen Sätze.
Karteikarten sind erlaubt (F69) und für die auswendig vorbereiteten ersten/letzten Sätze sowie als Sicherheitsnetz empfehlenswert.
Übungsmethodik: „Üben Sie den Vortrag durch Probevorträgen intensiv (lautes Vortragen). Hören Sie Ihren Erklärungen selber einmal zu — Inhalt / Verständnis / Sprechtempo / Betonung.” (F68)
8. Nonverbal und Auftreten
8.1 Grundhaltung
- „Wenden Sie sich ausschließlich Ihrem Publikum zu, seien Sie präsent.” (F80)
- „Blicken Sie nicht zur Projektionswand.” (F80)
- Festen Stand suchen; nicht auf einem Bein, nicht herumlaufen, nicht zappeln (F84).
- Hände bewusst führen; nicht „an sich selbst festhalten” (F84).
8.2 Erster Eindruck und Kleidung
„Seien Sie adäquat seriös. Je nach Gelegenheit kann es aber auch mal zu viel sein.” (F75)
Für die Prüfungssituation Fernstudium Informatik: Hemd/Bluse mit Jackett ist angemessen. Krawatte ist nicht nötig. Konkret vermieden werden sollten Freizeitkleidung (T-Shirt, Sneaker) sowie Overdressing (Dreiteiler).
Begründung aus dem Foliensatz: „Fachliche Qualifikation kann nutzlos verpuffen, wenn sie mit einer allzu lässigen Kleidung und ungeschickten Benehmen daherkommt.” (F78)
8.3 Strategie gegen „nicht zur Projektionswand blicken”
Lohschellers Lösung (F82): Was man selbst auf der Folie anschauen will, fest in die Vortragsfolien einbauen — als Markierungen, Pfeile, Hervorhebungen. Dann muss man es nicht am Projektor „suchen”.
9. Pointer und Technik
9.1 Pointer
„Minimieren Sie die Verwendung des Pointers (nur Fernumschaltung).” (F48, F81)
Begründung: Blickabwendung, Gefuchtel, Gezitter (F48). Der Pointer ist Vorrichtung für den Folienwechsel, kein Zeigewerkzeug. Was wichtig ist, wird auf der Folie markiert, nicht mit dem Laserpointer gezeigt.
9.2 Backup
Vortragsdatei auf USB-Stick und in Cloud. HS-Trier-PowerPoint-Vorlage als Grundlage (sofern unter powerpoint abgelegt), Export als PDF für Projektor-Robustheit.
10. Vorbereitungsprozess
10.1 Übungshäufigkeit
„Je weniger Vortragserfahrung vorhanden ist, desto intensiver muss ein Vortrag geübt werden (1, 2, 3, 4, 5, 6, … mal). Am besten vor Publikum. Immer laut sprechen und Zeit stoppen.” (F86)
Konkrete Mindestzahl für diese Prüfung: 5 vollständige Probevorträge, davon mindestens 2 vor Publikum (Partner, Freunde, Familie), 1 Aufnahme per Smartphone zur Selbstkontrolle.
10.2 Erste und letzte Sätze auswendig
„Erste und letzte Sätze auswendig beherrschen.” (F87)
Diese werden als separate Textdatei unter probevortraege abgelegt und bei jedem Probevortrag identisch gesprochen.
10.3 Vollständige Ausarbeitung ohne „auswendig gelernt” zu wirken
„Es schadet nicht, wenn der ganze Vortrag durch intensive Vorbereitung auswendig gekonnt wird. Dennoch: Vortrag soll nicht auswendig gelernt wirken. Je leichter ein Vortrag wirkt, desto besser ist er vorbereitet.” (F87)
Konsequenz: Der Vortragstext wird vollständig ausformuliert, aber auf Karteikarten verdichtet. Beim Vortrag spricht man frei nach den Stichworten.
10.4 Feedback annehmen
„Haben Sie nicht vor Kritik Angst und seien Sie nicht beleidigt. Feedback ist nicht dafür da, dass Sie sich wohl fühlen. Es soll helfen!” (F86)
Probevorträge werden protokolliert — Rückmeldungen des Publikums unter probevortraege mit Datum und Hinweisquelle.
10.5 Vorbereitung auf Nachfragen
„Bereiten Sie sich auch auf (problematische) Nachfragen vor.” (F87)
Siehe separate Behandlung des Fragenteils (nicht in dieser Konvention).
11. Vault-Prozess
11.1 Ablage
01_eignungsprüfung/tp3-präsentation/
├── index.md — Übersicht + Verlauf
├── konvention.md — diese Datei
├── 3_Praesentieren.pdf — Referenz-Foliensatz Lohscheller
├── folien-konzept.md — Konzept vor Foliensatz-Bau
├── folien/
│ ├── folien-v1.pptx — erste Fassung
│ ├── folien-v2.pptx — nach Feedback überarbeitet
│ └── folien-aktuell.pptx — Arbeitsstand
├── probevortraege/
│ ├── 2026-10-XX-probe1.md — Protokoll pro Probevortrag
│ └── erste-letzte-saetze.md — fester Wortlaut
└── typische-fragen.md — Vorbereitung auf Nachfragen
11.2 Iterations-Konvention
- Nummerierte Versionen (
folien-v1.pptx,folien-v2.pptx), nicht nurfolien-final.pptx. - Pro Version eine Zeile im
index.mdunter## Verlaufmit Datum, Änderungsart (Struktur / Inhalt / Design) und Grund. - Keine Zwischenversionen überschreiben; Änderungen bleiben nachvollziehbar.
11.3 Zusammenhang mit der Zulassungsarbeit
Der Foliensatz greift zurück auf die Zulassungsarbeit Ausarbeitung. Konkret:
- Die 6 Primärquellen bleiben identisch (keine neuen Quellen ohne Anlass).
- Abbildungen werden aus den LaTeX-Quellen übernommen oder in PowerPoint nachgebaut.
- Fallstudien-Zahlen (1250/500 Merkmale, 15 Wochen, 1,94 M EUR Profit) sind mit den Zahlen in der Arbeit konsistent zu halten.
12. Was ausdrücklich NICHT in diese Konvention gehört
- Fragenteil / 5-Minuten-Diskussion → separate Behandlung
- Inhaltliche Prüfungsvorbereitung (Verständnis der Quellen) → separater Lernpfad
- Rechtliche/organisatorische Prüfungsvorschriften → tp3-anforderungen
- Allgemeine Rhetorik-Theorie → nicht Vortragsgegenstand
Zusammenhänge
- Referenz-Foliensatz: 3_Praesentieren.pdf (Prof. Lohscheller)
- Übersicht: TP3-Index
- Anforderungen: tp3-anforderungen
- Vortragsgegenstand: Zulassungsarbeit
- Schreibstil-Konvention (zum Vergleich): schreibstil
- Zitierstil (für Quellenverweise im Vortrag): zitierstil