Formale Gestaltung (Layout & Typografie)
Eigene Zusammenfassung (kein Volltext) nach Balzert/Schröder/Schäfer, Wissenschaftliches Arbeiten, 3. Auflage, Teil II, Kapitel 8.2–8.5 (formaler Aufbau einer wissenschaftlichen Arbeit). Ziel: praktische Setzungen für Satzspiegel, Schrift, Textausrichtung, Hervorhebungen, Abbildungen und Seitennummerierung – als Vorbereitung der LaTeX-Vorlage und der Schlussredaktion der Zulassungsarbeit.
Satzspiegel & Seitenränder (8.2)
- Der Satzspiegel ist die Nutzfläche einer Seite; er wird über die Seitenränder (sog. Stege) festgelegt: Bundsteg, Außensteg, Kopfsteg, Fußsteg.
- Vor Schreibbeginn festlegen und im Textsystem (LaTeX-Vorlage, Word-Dokument) verbindlich einstellen – nicht im Nachhinein korrigieren.
- Bei einer gebundenen Arbeit muss der Bundsteg (zur Bindung hin) größer als der Außensteg sein, sonst verschwindet Text im Bundbereich, sobald die Arbeit nur leicht aufgeschlagen wird.
- Faustregel Zeilenlänge: nicht mehr als ca. 60–80 Zeichen pro Zeile. Zu lange Zeilen erschweren das Wiederfinden des Zeilenanfangs und damit die Lesbarkeit.
Schrift (8.3)
- Proportionalschrift verwenden (Buchstaben unterschiedlich breit), mit oder ohne Serifen.
- Schriftgröße: 10–12 pt, Durchschuss (Zeilenzwischenraum) mindestens 2 pt.
- Beispiele: Times (Serif), Arial (serifenlos). Achtung: Times New Roman und Calibri wirken in gleicher pt-Angabe kompakter/kleiner; Georgia und Arial dagegen größer. Die Wirkung hängt stark von der x-Höhe der Schrift ab.
- Monospace-Schriften (z. B. Courier, Courier New) NUR für Programmcode-Listings, nicht für Fließtext.
- Exotische und dekorative Schriften meiden; gut lesbare, vertraute Schriften wählen. Verdana wirkt im Druck zu massiv → meiden.
- Schriftgröße wird in Punkt (pt) gemessen: 1 pt = 1/72 Zoll ≈ 0,3528 mm.
Zeilenabstand (8.3)
- Ausreichend wählen (Lesbarkeit), aber nicht zu groß – sonst wirkt das Schriftbild „zerrissen”.
- In der Praxis hat sich oft 1½-zeilig etabliert.
Textausrichtung (8.4)
- Zwei zulässige Varianten: linksbündiger Flattersatz ODER Blocksatz.
- Empfehlung des Buches: linksbündiger Flattersatz für Fließtext und Überschriften – das vermeidet den Aufwand sauberer Silbentrennung und unschöne Wortzwischenräume.
- Blocksatz erfordert konsequente, saubere Silbentrennung.
Manuelle Trennungen NIE als harten Bindestrich eingeben, sondern als
bedingte Trennstriche (in LaTeX
\-, in Word Strg+Bindestrich) – sonst bleiben sie stehen, wenn sich der Umbruch ändert. - Zusammengehöriges wie „10. Juni” oder „Abb. 3” mit
geschütztem Leerzeichen (LaTeX
~) vor unerwünschter Trennung schützen.
Hervorhebungen (8.4)
- Dosiert einsetzen: „Hervorhebung verhält sich zum Text wie Schreien zum Sprechen.”
- NICHT verwenden:
- durchgehende Großbuchstaben (VERSALIEN),
- Unterstreichungen,
- Kapitälchen,
- größere Schriftgrade zur Betonung.
- Mittel der Wahl: kursiv (oder dezent fett).
- Keine dekorativen typografischen Sondergestaltungen wie in Lehrbüchern (Tipp-Kästen, Marginalien, farbige Boxen o. Ä.).
Abbildungen (8.4)
- In der Regel zentriert anordnen (ergibt ein ausgewogenes Bild).
- Jede Abbildung braucht eine Abbildungsunterschrift und MUSS im Text referenziert werden („siehe Abb. 3.2”).
- Nur Vorwärtsreferenzen: erst im Fließtext nennen, dann die Abbildung zeigen – nicht umgekehrt.
- Relativ (kapitelbezogen) automatisch nummerieren –
z. B. Abb. 3.1, Abb. 3.2, … – nicht manuell, sondern über die
Funktionen des Textsystems (LaTeX
\caption{}, Word-Beschriftung). Das verhindert Bruch bei Umstellungen.
Seitennummerierung / Paginierung (8.5)
- Seitenzahlen üblicherweise am Außenrand oben oder unten, bisweilen mittig.
- Vakatseiten (Leerseiten, etwa zum Aufschlagen eines neuen Kapitels rechts) erhalten keine sichtbare Seitenzahl, werden aber mitgezählt.
- Deckblatt und Kapitelanfangsseiten meist ohne sichtbare Seitenzahl.
- Verbreitete (aus dem Buchsatz stammende) Praxis: Titelei und Verzeichnisse (Inhaltsverzeichnis, Abbildungsverzeichnis, Abkürzungsverzeichnis) in römischen Ziffern (I, II, III, …), der Textteil ab Kapitel 1 beginnt mit arabisch 1. Technisch heute nicht mehr nötig, aber im wissenschaftlichen Kontext üblich und ein Stilmerkmal sorgfältiger Schlussredaktion.
Praktische Checkliste für die LaTeX-Vorlage
- Satzspiegel definiert (Bundsteg > Außensteg bei gebundener Abgabe).
- Schrift 10–12 pt, Proportionalschrift, Durchschuss ≥ 2 pt.
- Zeilenabstand 1½-zeilig (oder begründet anders).
- Textausrichtung einheitlich (Empfehlung: linksbündiger Flattersatz; falls Blocksatz, dann mit Silbentrennung).
- Monospace nur für Code.
- Hervorhebungen nur kursiv/fett, dosiert, niemals Unterstreichen oder VERSALIEN.
- Abbildungen zentriert, mit Unterschrift, automatischer relativer Nummerierung und Textreferenz.
- Paginierung: Titelei/Verzeichnisse römisch, Textteil arabisch; Deckblatt & Vakatseiten ohne sichtbare Seitenzahl, aber mitgezählt.
Bezug zu den Qualitätskriterien
Die formale Gestaltung ist die typografische Umsetzung der Kriterien Verständlichkeit und Nachprüfbarkeit/Nachvollziehbarkeit aus den zwölf Qualitätskriterien (siehe qualitätskriterien): ein konsistenter Satzspiegel, eindeutige Abbildungsreferenzen und eine stabile Paginierung machen die Arbeit als physisches/PDF-Artefakt überhaupt erst prüfbar.
Zusammenhänge
- Aufbau & Gliederung (formale Bestandteile: Titelei, Verzeichnisse, Textteil, Anhang – auf die sich die Paginierungs-Regeln beziehen)
- Zwölf Qualitätskriterien (Verständlichkeit, Nachvollziehbarkeit als Begründung der formalen Sorgfalt)
- Wissenschaftlicher Schreibstil (Verständlichkeit und Gestaltung; Hervorhebungen, Satzlängen und Lesbarkeit greifen ineinander)